Die Geschichte von WILDERNACHT

I

Vor 1500 Jahren kämpften die Mächte der Natur und der Mensch einen verbitterten Krieg um die Herrschaft über die Erde. Da beauftragte der Drache, dessen Atem alles durchweht, Merlin, den Zauberer, einen Jungen zu finden. Ihn sollte Merlin erziehen und zum König machen, und der König sollte den Krieg beenden und die Welt in Frieden vereint.

Doch Artus, der größte König in der Geschichte der Menschheit, wurde verraten: Sein Sohn, seine Frau und sein bester Freund ermordeten ihn. Und obwohl die Welt danach wieder in Dunkelheit fiel, obwohl der Krieg, der auf diesen Verrat und Mord folgte, noch grausamer wütete als alle Kriege zuvor, schenkte der Drache dem Menschen zum zweiten Mal sein Vertrauen.

Er erwählte den Menschen, weil der allein eine Gabe besaß, die ihn stärker machte als alle anderen Wesen, für die nur das Recht des Stärkeren gilt. Der Mensch war in der Lage, zu lieben und in Liebe zu leben. Deshalb schenkte der Drache dem Menschen die Welt. Er bat ihn, sich in Liebe um die Welt zu kümmern und für sie zu sorgen. Er verbannte die anderen, die Lichten, Schlawiner, Nachtschwärmer, Kurzen, Freaks, Hokuspokuspenner – und selbst die Tafelmänner und Merlin – in eine andere Welt: ins Land im Westen, das in unerreichbarer Ferne hinter Avalon liegt …

II

Doch in den folgenden 1500 Jahren veränderten sich die Menschen. Ihre einzigartige Gabe zu lieben verlor an Bedeutung. Sorgen und Kümmern wurden durch Herrschen ersetzt, und Verantwortung und Rücksicht durch Willkür und Macht. Der Mensch hatte den Drachen und seine Bitte vergessen. Anstatt die Welt zu bewahren, erschuf er sie neu. Er wollte selbst Gott sein. Je näher er sich diesem unheilvollen Ziel wähnte, umso mehr zerstörte er sich und die Welt.

Und das Land im Westen zerstörte er auch. WILDERNACHT, die Wüste der Wüste wuchs aus seiner Mitte heraus und verbrannte das Land bis zu den Küsten. Merlin verschwand. Der Drache schlief ein, und seine Träume, die das Schicksal der Welten webten, verstummten. Überall herrschte Krieg. In der Welt der Menschen wurden Millionen getötet – und urplötzlich wurde es still.

Die Völker im Westen verbarrikadierten sich voreinander. Das Vertrauen zwischen ihnen war für immer zerstört, und den Menschen ging es nicht besser. Jetzt kämpften sie nicht mehr mit Waffen, jetzt kämpften sie mit Geld. Gleichgültigkeit und Gier isolierten auch sie, jeden von jedem. Sie glaubten an nichts, und das machte sie taub. Taub und blind für das, was sie brauchten. Taub und blind, wofür man sie brauchte …

III

… bis in der Silvesternacht des Jahres 1992 Michael Klondeik von Sally gerufen wurde. Ihre Stimme weckte ihn auf. Sie bat ihn darum, sich um die Welt zu kümmern. Sie rief ihn nach Westen, nach Irland. Sie schenkte dem jungen Schriftsteller eine Vision: die Geschichte von WILDERNACHT. In dieser Geschichte verließ Galahad, der Sohn von Lancelot und Genevra, die Burg der Tafelmänner, um zusammen mit dem dämonischen Schlawinermädchen Ko-Kahla-Bold jemanden zu suchen – Merlin. Um den großen Zauberer zu fragen, warum die Welt untergeht.

Michael war besessen von dieser Geschichte. Er schrieb Tag und Nacht und riskierte sein Leben, um sie zu erzählen. Er wurde von Killern, Hexen und noch dunkleren Mächten gejagt, doch er überlebte. Für seinen Mut und seine Mühe wurde er belohnt: Er traf Sally Wild Blanche, die Frau, die er seit der Silvesternacht suchte – und die er liebte. Er erkannte, dass sie die letzte Elbenkönigin war. Er ging mit ihr mit, ins Land im Westen, und er kämpfte mit ihr, bis er die ganze Wahrheit erfuhr …