Ko-Kahla Bold

Ko-Kahla Bold das Schlawinermädchen

Vor knapp 100 Jahren, kurz bevor Merlin, der Gute, verschwand, erschien Ko-Kahla-Bold, das Schlawinermädchen auf der Burg der Tafelmänner. Sie wollte dort – gegen alle Verbote und trotz des Befehls, dass jeder Ritter sie töten muss – an Galahads Seite zu leben. Heimlich, wie ein blinder Passagier.

Ko-Kahla-Bold ist ein besonders hässliches Exemplar ihres Volks, das in den nördlichen Wäldern hinter Drachenherz lebt: Sie ist Gollum-ähnlich verwachsen und klein. Die schmeißfliegengrünen Augen sind das einzige, was an ihr glänzt und was man schön nennen könnte. Vielleicht noch das Mal auf der Stirn. Doch es ist sehr lange her, dass dieses Mal einmal geleuchtet hat. Genau gesagt: mehr als die 100 Jahre, die Ko-Kahla-Bold jetzt schon auf Drachenleid lebt.

Haarbüschel schießen ihr aus den Ohren, den kahlen Schädel überwuchern Echsenschuppen, wie ein Ekzem. Die dunklen Zähne wurden durch das Kauen der Eisenbaumwurzel zu kräftigen Stummeln gestaucht und geschliffen. Und ihre schwarzen, korkenzieherverdrehten Krallen durchneiden mühelos Fels oder Beton.

Das hässliche Schlawinermädchen ist so alt wie die Erde. Sie ist das älteste Wesen, das auf dieser Welt lebt – älter als Merlin und noch älter als die Kurzen in ihren Hallen. Sie birgt ein großes Geheimnis in sich, dass in Vergessenheit fiel. Doch wenn sie es von sich aus verrät, wenn sie es unerkannt preisgibt, ist das ihr sicherer Tod.

Vielleicht ist Ko-Kahla-Bold deshalb so schroff und misstrauisch geworden. Doch tief in ihr drin ist das kleine, hässliche und manchmal so kalte, grausame Schlawinermädchen immer noch gut. Gut und ganz warm …